Die Mona Lisa von Leonardo da Vinci ist das am meisten betrachtete, am häufigsten reproduzierte und vermutlich am meisten abgenutzte Gesicht der Kunstgeschichte. Banksys Eingriff in dieses Gemälde zielt genau auf diese Abnutzung.
Die Komposition lässt Mona Lisas berühmte Haltung und Mimik vollständig unverändert: dieselbe Ruhe, dasselbe unbestimmte Lächeln. Das Einzige, was sich ändert, ist der Gegenstand, den sie hält. Statt gefalteter Hände im Schoß hält sie einen Raketenwerfer, und im Ohr trägt sie einen militärischen Funkhörer. Die Frau ist also nicht nur bewaffnet, sie ist auch Teil einer Operation, nimmt Befehle entgegen oder erstattet jemandem Bericht.
Dieses zweite Detail ist es, das die Arbeit von einem bloßen Schockeffekt unterscheidet. Wäre nur die Waffe hinzugefügt worden, wäre es ein bekannter Scherz über die Verunstaltung eines klassischen Gemäldes geblieben. Der Funkhörer bringt eine Befehlskette in die Szene, ein Gefühl von Institution. Die Gewalt hier ist keine persönliche Wut, sondern ein organisiertes System.
Die Arbeit entstand an einer Wand in Soho, London, mit einer schwarz-weißen Schablonenarbeit. Die Ausführung dauerte etwa fünfzehn Minuten, dem Tempo entsprechend, das die Arbeit auf der Straße erzwingt.
Ihre Lebensdauer war äußerst kurz. Etwa zwei Tage nach ihrem Erscheinen veränderte jemand anderes die Figur so, dass sie Osama bin Laden ähnelte, und die Arbeit verschwand kurz darauf vollständig.
Diese Arbeit bringt Banksys Verhältnis zur klassischen Kunst auf den Punkt. Er zerstört die Mona Lisa hier nicht, er rührt sie kaum an. Er nimmt einfach das bekannteste Gesicht der Welt und stellt es neben etwas, das wir in der heutigen Bildkultur jeden Tag sehen, eine Waffe. Das Ergebnis stellt dem Betrachter eine Frage: Warum wirkt dieses Bild so leicht akzeptabel?
*Nach der Anmeldung kannst du dein kostenloses Poster im Store der Ausstellung ‘House of Banksy Dortmund’ abholen, zeige dafür einfach deine Mitgliedschaft vor.

