Diese 2004 entstandene Arbeit aus Sprühfarbe und Emulsion auf Holz gehört zu den unmittelbarsten Beispielen dafür, wie Banksy sich mit historischen Persönlichkeiten auseinandersetzt.
Zu sehen ist Wladimir Iljitsch Lenin, allerdings nicht der Lenin, den wir kennen. Das unveränderliche Porträt aus der sowjetischen Ikonografie ist hier in einen Punk verwandelt: Die Haare stehen als Irokesenschnitt hoch, im Ohr steckt ein Ohrring. Der formelle Kragen und die Krawatte sind dagegen unverändert geblieben. Die Figur bleibt so irgendwo zwischen Staatsmann und Straßenrebell hängen.
Über die Komposition ist ein rotes Fadenkreuz gelegt, das genau auf Lenins Gesicht ausgerichtet ist.
Diese zwei übereinandergelegten Eingriffe erzeugen die gesamte Spannung der Arbeit. Banksy nimmt zunächst das Symbol der Revolution und übersetzt es in die Sprache der Jugendkultur, eine andere Form der Rebellion; das revolutionäre Ideal wird zu einer Stilfrage. Dann nimmt er dieselbe Figur ins Visier. Die Botschaft läuft in zwei Richtungen zugleich: Radikale Ideen werden entweder zu einer vermarktbaren Ästhetik, oder sie werden zur Zielscheibe. Oft ist es beides zugleich.
Dass Banksy sich Lenin zuwendet, ist kein Zufall. Der Künstler hat im Lauf seiner Karriere immer wieder die großen politischen Figuren des zwanzigsten Jahrhunderts in Zusammenhänge gestellt, die sie verkleinern oder in den Alltag herunterholen.
Die Arbeit gelangte zunächst in eine private asiatische Sammlung; am 25. Mai 2021 kam sie bei Christie’s Hongkong als Los 220 zur Versteigerung und wurde für 7.450.000 Hongkong-Dollar verkauft, umgerechnet rund 959.000 US-Dollar.
Lenin In Sight ist ein scharfer Satz, den Banksy mit nur zwei einfachen Eingriffen um ein historisches Gesicht baut: ein Haarschnitt und ein Fadenkreuz. Mehr wird nicht hinzugefügt, und mehr braucht es auch nicht.
*Nach der Anmeldung kannst du dein kostenloses Poster im Store der Ausstellung ‘House of Banksy Dortmund’ abholen, zeige dafür einfach deine Mitgliedschaft vor.

