Wir beginnen mit einem der bekanntesten Firmenlogos der Welt. His Master’s Voice geht auf ein Gemälde von Francis Barraud aus dem Jahr 1899 zurück. Ein Hund namens Nipper sitzt vor dem Trichter eines Grammophons und hört der aufgezeichneten Stimme seines Besitzers zu. Mit der Zeit wurde das Logo zum Wahrzeichen der HMV Plattenladenkette. Es wurde zum visuellen Kürzel für Treue, Gehorsam und Zuhören.
Banksy behält die Szene fast unverändert bei. Der Hund sitzt an derselben Stelle, im gleichen Profil. Das Grammophon steht dort, wo es immer stand. Nur eines ändert sich. Der Hund hört nicht mehr zu. Er trägt einen Raketenwerfer auf der Schulter, und der Lauf zielt direkt auf den Trichter des Grammophons.
Dieser eine Eingriff kehrt die ganze Bedeutung um. Eine Figur, die seit über hundert Jahren für Gehorsam steht, zielt nun auf genau das Gerät, das zu ihr sprach. Die Stimme seines Herrn ist kein Anlass mehr zur Unterwerfung. Sie ist ein Ziel.
Das Bild lässt sich auf mehrere Arten lesen. Am direktesten geht es um Autorität. In dem Moment, in dem wir zu hinterfragen beginnen, wem wir gehorchen, endet die Beziehung selbst. Eine weitere Lesart betrifft die Musikindustrie, denn das Logo ist deren kommerzielles Gesicht, die Abhängigkeit des Künstlers vom Plattenlabel, die Abhängigkeit des Hörers vom Marketing. Eine dritte betrifft Marken, ein Thema, das sich durch Banksys ganze Karriere zieht: ein Logo nicht zu zerstören, sondern es zu kippen, indem man ihm ein einziges fremdes Element hinzufügt.
Das Bild tauchte 2003 zunächst auf der Straße in Bristol auf. Noch im selben Jahr wurde es als Schablonenarbeit auf eine Wand des Cargo Clubs in Shoreditch, London, aufgebracht. Diese Wand ist seither unter einer Plexiglasscheibe geschützt.
*Nach der Anmeldung kannst du dein kostenloses Poster im Store der Ausstellung ‘House of Banksy Dortmund’ abholen, zeige dafür einfach deine Mitgliedschaft vor.