The World of Banksy

Kate Moss

Crude Oils, London, 2005

Kate Moss entstand 2005 in London als Teil von Banksys Ausstellung Crude Oils: A Gallery of Re-Mixed Masterpieces, Vandalism and Vermin. Banksy ließ 164 lebende Ratten frei und schuf so eine fast surrealistische Erfahrung, in der nichts mehr so war, wie es schien.

 

Im Zentrum der Schau stand eine Neuinterpretation von Andy Warhols legendärer Marilyn-Monroe-Siebdruckserie von 1967: Kate Moss.

 

Banksy übernimmt Warhols strahlende Ästhetik und Komposition eins zu eins, verschmilzt das Gesicht des britischen Supermodels Kate Moss mit Marilyns platinblondem Haar und dem berühmten Schönheitsfleck. Die warmen Honigtöne von Marilyns Haar vor dem intensiven Cyan-Hintergrund spiegeln vier Jahrzehnte später Warhols Farbgenie wider.

 

Banksy wiederholt exakt, was Warhol 1962 tat: Er verwandelt die repräsentativste Frau ihrer Zeit in ein seriengefertigtes Konsumobjekt. Der Zeitpunkt ist treffend gewählt, 2005 war das Jahr, in dem der Kokainskandal um Kate Moss eskalierte. Ihre Aufnahme in Times ‘100 einflussreichsten Personen’ 2007 machte sie zur idealen zeitgenössischen Entsprechung von Marilyns Mitte-des-Jahrhunderts-Sättigung. Banksy nutzt diese Sichtbarkeit, um zu zeigen, dass Ruhm nicht aus individueller Einzigartigkeit entsteht, sondern aus der endlosen Reproduktion desselben Archetyps mit neuem Gesicht.

 

Indem er Warhol selbst zum Thema macht, verweist Banksy auf den Pop-Künstler als Verkörperung des Konsumwahns und des Hyperkapitalismus der 1960er.

 

Durch die Wiederbelebung des Pop-Stils 2005 stellt er einen Kulturvergleich an: Marilyns Hollywood versus Moss’ Supermodel-Modeindustrie. Diese Parallele betont, dass Werbung weiterhin Prominente steuert und die Berühmtheitskultur sich in Jahrzehnten kaum verändert hat.

 

Das wiederholte Bild spiegelt wider, wie Ikonen heute blitzschnell erschaffen, konsumiert und weggeworfen werden. Indem Banksy den Pop-Art-Stil erneut verwendet, um die Kommerzialisierung der Promikultur zu hinterfragen, zeigt er, dass der moderne Ruhm auf demselben scheinbar leeren Glanz aufbaut.

 

Banksy übernimmt Warhols Siebdrucktechnik, Farbkontraste und Wiederholung, fügt jedoch seine eigene Ironie hinzu. Kritiker bezeichnen es als ‘Pop-Art, die von Pop-Art selbst kritisiert wird’. Es gilt bis heute als eines von Banksys einflussreichsten Werken.

 

Kate Moss markierte 2005 den Wendepunkt in Banksys Karriere, vom Graffiti-Provokateur zum etablierten Künstler. Die Serie vereinte seine subversive Straßenidentität mit der offiziellen Kunstwelt und verwandelte die Schablonentechnik in hochpreisige, limitierte Siebdrucke.

 

Es wurden nur 120 Exemplare in sechs Farbvarianten; Pink, Aprikose/Gold, Blau/Grau, Grün/Türkis, Rot/Zitrone, Purpur/Rot hergestellt.

 

2011 schuf Banksy eine Sonderedition als Hochzeitsgeschenk für Kate Moss; sie war verblüfft, das Werk im Hotelbad hängen zu sehen.

 

Der ursprüngliche Verkaufspreis lag bei £25.000. Heute erzielt ein einzelner Druck £150.000 – £300.000, das von Banksy als ‘billiges Konsumobjekt’ verspottete Werk wurde zum teuersten Kunstobjekt.

 

Banksy fragt uns: Ist Ruhm wirklich eine individuelle Leistung oder nur die endlose Reproduktion desselben Archetyps mit einem neuen Gesicht durch die Kultur?

*Nach der Anmeldung kannst du dein kostenloses Poster im Store der Ausstellung ‘House of Banksy Dortmund’ abholen, zeige dafür einfach deine Mitgliedschaft vor.