Diese Arbeit tauchte am 24. Juni 2018 im 5. Arrondissement von Paris auf, in der Rue Victor-Cousin, unweit der Sorbonne. Sie zeigt einen gut gekleideten Mann, der einem dreibeinigen Hund einen Knochen hinhält. Hinter seinem Rücken, vor dem Hund verborgen, hält er eine Handsäge.
Die Raffinesse dieser Arbeit liegt in der Kluft zwischen dem ersten Eindruck und der eigentlichen Wahrheit. Die Geste des Mannes wirkt zunächst großzügig. Doch sie verrät zugleich, woher das fehlende Bein des Hundes stammt. Der Knochen soll das eigene, abgetrennte Bein des Hundes sein. Was wie ein Akt der Güte aussieht, wird so zur Metapher für ein System, das zuerst Schaden anrichtet und diesen Schaden dann teilweise „repariert“.
Die französischen Medien deuteten die Arbeit damals als Allegorie auf den Kapitalismus, als Kritik an einem System, das zuerst Not schafft und diese Not dann nur begrenzt ausgleicht. Der Standort verstärkt diese Lesart. Die nahe gelegene Sorbonne ist einer der symbolischen Orte des Studentenaufstands vom Mai 1968, was Banksys Kritik an systematischer Ausbeutung eine zusätzliche historische Tiefe verleiht.
Diese Komposition zeigt eine Technik, auf die Banksy häufig zurückgreift: eine scheinbar wohlwollende Geste, die ein verstecktes Detail vollständig ins Gegenteil verkehrt. Künstlerisch ist die Arbeit sowohl ein visuelles Rätsel als auch ein scharfer Kommentar zu der Behauptung, das kapitalistische System „heile“ die Probleme, die es selbst schafft, mit kleinen, symbolischen Lösungen.
*Nach der Anmeldung kannst du dein kostenloses Poster im Store der Ausstellung ‘House of Banksy Dortmund’ abholen, zeige dafür einfach deine Mitgliedschaft vor.