Ein leuchtend blauer Hintergrund, darauf ein Porträt von Mutter Teresa und ein einziger Satz in riesigen Buchstaben: „I LEARNT A VALUABLE LESSON FROM THIS WOMAN, MOISTURISE EVERYDAY.“ Auf Deutsch etwa: Von dieser Frau habe ich eine wertvolle Lektion gelernt: täglich eincremen.
Um zu verstehen, woher der Witz kommt, reicht es, sich zu erinnern, wer Mutter Teresa war. Sie legte ein Armutsgelübde ab, verbrachte ihr Leben in den ärmsten Vierteln Kalkuttas, erhielt den Friedensnobelpreis und wurde nach ihrem Tod heiliggesprochen. Sie ist einer der ersten Namen, die der modernen Welt zum Thema Selbstlosigkeit einfallen.
Banksy nimmt diese Figur und setzt sie direkt in die Bildsprache einer Kosmetikwerbung: kräftiger flacher Hintergrund, ein wiedererkennbares Gesicht, darüber ein Slogan. In der Werbung nennt man das Prominenten-Empfehlung, das Ausleihen der Glaubwürdigkeit eines Gesichts für ein Produkt. Der Inhalt des Satzes selbst ist dabei völlig leer.
Die Kritik funktioniert auf zwei Ebenen. Die erste: Selbst moralische Autorität lässt sich zu einem vermarktbaren Wert machen. Die zweite ist heimtückischer, die Kluft zwischen der Bewunderung für eine Figur und dem tatsächlichen Tun dessen, was sie getan hat. Der Sprecher im Satz behauptet, von Mutter Teresa eine wertvolle Lektion gelernt zu haben, und diese Lektion entpuppt sich als völlig oberflächlich. Von einem ganzen Leben bleibt nur ein Pflegetipp übrig.
Die Arbeit stammt aus dem Jahr 2006 und wurde bei Banksys Ausstellung Barely Legal in Los Angeles gezeigt, die vom 15. bis 17. September stattfand.
Banksy macht sich hier nicht über Mutter Teresa lustig. Worüber er sich lustig macht, ist eine Kultur, die selbst jemanden wie sie auf ein Werbegesicht reduzieren kann.
*Nach der Anmeldung kannst du dein kostenloses Poster im Store der Ausstellung ‘House of Banksy Dortmund’ abholen, zeige dafür einfach deine Mitgliedschaft vor.

